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Selbstverpflichtung für eine bessere Welt

Veröffentlicht: 29.10.2020 Die vierte Version der Äquator-Prinzipien (orig. „Equator Principles“) wird seit dem 1. Oktober 2020 angewendet. Die „Equator Principle Financial Institutions“ (EPFIs), also die Banken, welche sich den Äquator-Prinzipien angeschlossen haben, verpflichten sich, keine Projekte zu finanzieren, die nicht den geltenden EP4-Anforderungen entsprechen. Doch, was bedeutet das eigentlich konkret?

Was sind die Äquator-Prinzipien?

Sabine Lehmann: Die Äquator-Prinzipien (orig. „Equator Principles“) sind ein freiwilliges Rahmenwerk von Banken für Regeln zur Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards bei Finanzierungen von Investitionsprojekten, die einen Standortbezug haben. Die teilnehmenden Institute verpflichten sich, nur solche Projekte zu finanzieren, bei denen die Kreditnehmer die Umwelt- und Sozialkriterien der Prinzipien erfüllen. Die KfW IPEX-Bank hat sich zum 1. März 2008 den Äquator-Prinzipien angeschlossen und legt sie als Rahmenwerk für ihre Nachhaltigkeitsrichtlinie zugrunde.

Warum wurden sie aktualisiert?

Sabine Lehmann: Seit ihrer Entstehung 2003 hat sich die Welt spürbar verändert – was uns durch extreme Wettersituationen oder auch die Übernutzung und Verschmutzung der globalen Ökosysteme immer wieder vor Augen geführt wird. Um in dieser dynamischen Entwicklung auch weiterhin Gültigkeit zu haben, mussten auch die Äquator-Prinzipien fortgeführt und weiterentwickelt werden. Seither wurden sie dreimal überarbeitet, seit dem 1. Oktober 2020 wird nun die vierte Fassung angewendet.

Wo wurden sie konkret weiterentwickelt?

Sabine Lehmann: Die Neufassung hat nicht nur einen erweiterten Geltungsbereich für Finanzprodukte, auch die Inhalte werden expliziter dargestellt. Bedeutet: Die Einhaltung der lokalen Regulatorik hinsichtlich der Einhaltung von Menschenrechten, Rechten indigener Völker ist nicht länger ausreichend, vielmehr gilt es, die EP4, die aktualisierten Äquator-Prinzipien anzuwenden. Dies beinhaltet auch die Notwendigkeit, die "freie, vorherige und informierte Zustimmung" (FPIC) der indigenen Völker auch in Staaten wie den USA oder Australien einzuholen, die von den vorgeschlagenen Projekten betroffen sind. Außerdem wurden die Sorgfaltspflichten im Hinblick auf den Klimawandel, deutlich gestärkt: Die Wirkung des Klimawandels auf die Projekte als auch die Wirkung vom finanzierten Projekt auf den Klimawandel sind zu betrachten.

Die Präambel der Neufassung formuliert, dass die EPFI das Pariser Abkommen von 2015 unterstützen und sicherstellen sollen, dass die Berichterstattung den Empfehlungen entspricht. Nach dem überarbeiteten EP Principle 2 wird für alle Projekte eine Bewertung des Klimarisikos erwartet. Damit muss die Bewertung nicht mehr nur bei Projekten mit negativen ökologischen und sozialen Risiken (Kategorie A oder B) durchgeführt werden, sondern auch für Projekte, bei denen erwartet wird, dass die kombinierten Emissionen jährlich 100.000 Tonnen CO2 übersteigen (selbst wenn das Projekt voraussichtlich keine anderen Umweltrisiken hat).

Nach dem EP Principle 10 (Berichterstattung und Transparenz) waren seit 2015 und sind Projektunternehmen/Sponsoren weiterhin verpflichtet, über die Höhe der Treibhausgasemissionen für Projekte der Kategorie A und Kategorie B zu berichten.

Sabine Lehmann ist Nachhaltigkeitsbeauftragte der KfW IPEX-Bank.

Alle Infos zur Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung der KfW IPEX-Bank