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Repräsentanz Johannesburg

Unser Zugang zu Sub-Sahara Afrika

Südafrika ist die größte und am weitesten entwickelte Volkswirtschaft Afrikas mit erheblichen natürlichen Ressourcen im Bergbau. Das Land bietet gute Rahmenbedingungen für die Privatwirtschaft, verfügt über eine diversifizierte Industrie sowie einen stark regulierten Finanzsektor mit einer unabhängigen Zentralbank.

Wegen seiner politischen und wirtschaftlichen Stabilisatorrolle im südlichen Afrika wird das Land von vielen Unternehmen als Sprungbrett in den afrikanischen Markt genutzt, vor allem in die Länder des SADC-Verbundes (Southern African Developing Community) mit mehr als 240 Millionen Menschen. Besonders für europäische, insbesondere deutsche Unternehmen ist das südliche Afrika ein interessanter Wachstumsmarkt, in dem europäische Qualität besonders geschätzt wird.

Nach China ist Deutschland mit 8,8 Mrd. Euro jährlichen Ausfuhren das zweitwichtigste Lieferland für Südafrika und einer der wichtigsten Direktinvestoren. 600 deutsche Unternehmen sind hier niedergelassen und beschäftigen in den Schwerpunktbranchen Grundstoffindustrie, Fahrzeugtechnik, Chemieindustrie und Maschinenbau rund 100.000 Arbeitnehmer.

Für die KfW IPEX-Bank stellt Sub-Sahara Afrika einen wichtigen Zukunftsmarkt dar, in dem wir unsere Kunden bei der Finanzierung von europäischen Exporten und deutschen Direktinvestitionen unterstützen. Das Mandat der KfW IPEX-Bank umfasst außerdem die Unterstützung von Projekten zur Rohstoffsicherung Deutschlands.

"Afrika ist der Markt der Zukunft"

Joseph Mbuyi
Joseph Mbuyi

Ein Interview mit Joseph Mbuyi, Leiter der Repräsentanz der KfW IPEX-Bank in Johannesburg, zuständig für Sub-Sahara Afrika

Wirtschaftsexperten prognostizierten für Afrika in den vergangenen Jahren immer wieder einen rasanten Aufschwung. Derzeit allerdings wächst die afrikanische Wirtschaft relativ langsam. Ist die einstige Euphorie inzwischen einer Ernüchterung gewichen?

Zurzeit ist der afrikanische Kontinent nicht in bester Verfassung. Die optimistischen wirtschaftlichen Vorhersagen basierten zu einem erheblichen Teil auf einem Rohstoff-Boom, der nicht eingetreten ist. Letztlich ist die Ernüchterung aufgrund des momentanen Zustands das Ergebnis einer immer wiederkehrenden einseitigen Ausrichtung, die sich viel zu sehr auf den reinen Export von Rohstoffen als Einnahmequelle konzentriert hat. Vielen Ländern fehlt es an nachhaltigen Wirtschaftsstrukturen. Zudem sind Governance-Themen und fragile politische Systeme noch immer ein Problem in Afrika, auch wenn es von Land zu Land große Unterschiede gibt.

Was braucht der Kontinent?

Frieden, politische Stabilität, eine Reifung der Institutionen sowie wirtschaftliche Solidität.

In ökonomischer Hinsicht müssen vor allem Investitionen in den Auf- und Ausbau der Infrastruktur erhöht werden und der privatwirtschaftliche Sektor muss stark wachsen. Eine starke Mittelklasse ist der Motor dieses Wachstums, von dem langfristig die Mehrheit der Bevölkerung profitieren wird.

Können afrikanische Länder privatwirtschaftliche Strukturen aus eigener Kraft aufbauen?

Wahr ist, dass die Mehrheit der wirtschaftlich tätigen Einheiten in Subsahara-Afrika als Einzel- oder Familienunternehmen privat organisiert sind. Wahr ist leider auch, dass diese Unternehmen zum Großteil nicht registriert sind und informell arbeiten.

Neben dem Engagement und Vertrauen der Bürger in die staatlichen Strukturen sowie der Schaffung verlässlicherer Rahmenbedingungen und Infrastrukturen in den jeweiligen Ländern bedarf es auch externer Unterstützung, insbesondere hinsichtlich der Teilhabe am globalen Warenaustausch. So ist es erforderlich, Afrika sowohl als Produktionsstandort für globale Güter zu nutzen als auch den Kontinent als signifikanten Absatzmarkt zu erkennen und zu integrieren.

Auf welche Weise sollte die westliche Wirtschaft vorgehen?

Nehmen wir das Beispiel, Afrika als Absatzmarkt zu nutzen. Ich empfehle insbesondere mittelständischen Unternehmen ihren Vertrieb auch auf afrikanische Länder auszuweiten. Wer seine Erzeugnisse erfolgreich vermarktet und gute Erfahrungen mit den lokalen Partnern macht, der wird mittelfristig investieren. Denn es geht auch um Vertrauen: Der Investor muss nicht nur das unglaubliche Potenzial Afrikas erkennen, sondern gleichermaßen an seine lokalen Kooperationspartner glauben, denn wirtschaftlicher Erfolg ist nicht bis ins Letzte planbar. Vertrauen kommt aber nicht über Nacht. Es muss sich entwickeln, deshalb ist auch Geduld gefragt.

In welchen Sektoren sehen Sie die größten Chancen?

Ein wesentlicher Bereich ist sicher die Infrastruktur, die einen immensen Nachholbedarf hat. Es geht um Kommunikation, Elektrizität, Mobilität und Technologie. Als KfW IPEX-Bank sind wir in diesen Sektoren bereits aktiv und finanzieren u.a. Eisenbahnstrecken, Mobilfunknetze und Cargoterminals. All das ist Voraussetzung für eine wirtschaftliche Entwicklung – und eine große Chance auch für mittelständische Firmen, die sich hier in die großen Projekte einbringen können. Auch die Ingenieurskunst ist sehr gefragt, die deutsche Herkunft von Maschinen gilt über die verschiedenen Branchen hinweg als Qualitätsmerkmal und ist trotz ihres Preises ein überzeugendes Verkaufsargument.

Und wie sieht es aus mit Afrika als Produktionsstandort?

Maschinen und Technologiegüter werden bereits in Afrika produziert. Problematisch ist hier allerdings oft der Fachkräftemangel. Der nicht ausreichende Qualifizierungsgrad zwingt den Unternehmer in der Regel zu hohen Ausbildungsinvestitionen. Wer hier für das eigentliche Geschäft in Vorleistung geht, braucht eine klare Vision und eine gewisse Portion Mut. Kooperationen mit einem bestehenden afrikanischen Unternehmen können das Risiko mindern, denn dann bilden bereits qualifizierte Kräfte die Basis, auch für weitere Expansion.

Zusammengefasst, in der Zukunft führt kein Weg an Afrika vorbei?

Genau! Die demografische Entwicklung ist ja nicht aufzuhalten: Afrika hat 1,2 Milliarden Menschen und stellt die jüngste Bevölkerung der Welt. Die Städte wachsen exorbitant. Afrika ist der Markt der Zukunft, auch vor dem Hintergrund, dass die Globalisierung den Wettbewerb in den angestammten Märkten intensivieren und die Margen mindern wird. Das sollten die deutschen Investoren aber weniger als Gefahr, sondern als riesen Chance begreifen.

Die Repräsentanz der KfW IPEX-Bank in Johannesburg tätigt keine eigenständigen Bankgeschäfte. Ihre ausschließliche Aufgabe besteht in der Unterstützung der Zentrale in Frankfurt.