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TenneT startet Probebetrieb von NordLink

Meldung vom 10.12.2020 / KfW IPEX-Bank

  • Das grüne Kabel ist jetzt in den europäischen Strommarkt integriert
  • Die Fertigstellung der Stromverbindung zum Austausch von norwegischer Wasserkraft und deutscher Windenergie ist für das Frühjahr 2021 vorgesehen
  • Rechnerisch kann NordLink 3,6 Millionen Haushalte mit klimaneutraler Energie versorgen

Zusammen mit den Partnern Statnett und der KfW hat TenneT heute NordLink, das grüne Kabel zum Austausch norwegischer Wasserkraft und deutscher Windenergie, in den Probebetrieb genommen. Damit verbunden ist der Eintritt des Interkonnektors in den europäischen Strommarkt.

„NordLink ist ein Leuchtturmprojekt der Energiewende und ein wichtiger Schritt bei der Integration erneuerbarer Energien in den Strommarkt“, sagte TenneT-Geschäftsführer Tim Meyerjürgens. „Wir haben heute erstmals die Strommärkte Norwegens und Deutschlands direkt miteinander verbunden. Das grüne Kabel kann rechnerisch rund 3,6 Millionen Haushalte mit klimaneutraler Energie versorgen“, so Tim Meyerjürgens, „norwegische Wasserkraft und deutsche Windenergie ergänzen sich in diesem System wechselseitig in optimaler Weise.“

"Wir sind stolz darauf, dass unsere neue Verbindungsleitung für den Energieaustausch zwischen unseren beiden Ländern bereit ist. NordLink wird uns helfen, unsere Klimaziele zu erreichen und sowohl auf der norwegischen als auch auf der deutschen Seite des Kabels Mehrwert zu schaffen", sagte Gunnar G. Løvås, Executive Vice President des norwegischen Übertragungsnetzbetreibers Statnett.

„Der Klimawandel erfordert ein ebenso deutliches wie kluges Umdenken – NordLink wird dabei ein Eckpfeiler der europäischen Energiewende sein. Mit dem Tausch von Elektrizität aus Wind- und Wasserkraft schaffen wir Versorgungssicherheit, stabile Energiepreise und erhöhen den Anteil erneuerbarer Energien im Strommix. Wir sind stolz, dieses technologisch einzigartiges Projekt zu begleiten“, sagte Markus Scheer, Mitglied der Geschäftsführung der KfW IPEX-Bank.

Die Strom-Übertragungskapazität, die in den Markt gegeben wird, ist das Ergebnis der jeweils aktuellen Kapazitätsberechnung der beiden Übertragungsnetzbetreiber TenneT und Statnett. Die zur Verfügung stehende Kapazität des Interkonnektors wird dann im Rahmen der europäischen Marktkopplung der vor- und untertägigen Stromhandelsmärkte genutzt. Dabei bestimmt die sich zwischen Norwegen und Deutschland einstellende Preisdifferenz die Flussrichtung des Stroms. Zu erwarten ist, dass zumeist dasjenige Land exportiert, das gerade den günstigeren Preis in den Markt einbringt.

In Vorbereitung auf den Markteintritt von NordLink war bereits im November ein internationales Webinar veranstaltet worden. 180 Marktteilnehmer aus ganz Europa und aus verschiedenen Institutionen und Bereichen, wie Energiehändler, Strombörsen, Übertragungsnetzbetreiber, Ministerien, Regulierungsbehörden und Universitäten erhielten umfassende Informationen zu marktbezogenen Themen, wie Kapazitätsberechnung und –nutzung.

„Wir haben transparent dargestellt, wie wir die Kapazität berechnen, wie sie dem Markt angeboten wird und was in den ersten Betriebsjahren von NordLink erwartet werden kann. Dabei haben wir auch mehr Verständnis für die Herausforderungen geschaffen, vor denen Übertragungs-netzbetreiber, Länder und Märkte stehen, wenn große neue Interkonnektoren in Betrieb genommen werden“, sagte Tim Meyerjürgens.

Nach Abschluss der Probebetriebsphase, in der NordLink die komplexen betriebstechnischen Anforderungen durchläuft, wird das „grüne Kabel“ voraussichtlich im Frühjahr 2021 umfassend geprüft und fertiggestellt sein.

Hintergrund

NordLink schafft eine Verbindung zwischen den Kapazitäten der Wasserkraftwerke in Norwegen und den Windparks in Deutschland. Die Wasserreservoirs in Norwegen fungieren dabei quasi als „Energiespeicher“, denn bei Stromimport aus Deutschland – und besonders dann, wenn in Deutschland überschüssige Windenergie vorhanden ist – kann das Wasser in ihnen verbleiben. Umgekehrt können bei Verbrauchsspitzen und gleichzeitig geringer Wind- und Solarenergie-erzeugung in Deutschland die norwegischen „Wasserkraft-Speicher“ genutzt und Strom nach Deutschland transportiert werden.

Deutsche Verbraucher können vom positiven Effekt auf die Strompreise durch den Import von Energie aus preisgünstiger Wasserkraft profitieren. Wenn die Preise in Deutschland höher als in Norwegen sind, weil Windkraftanlagen und Solarzellen nur wenig Strom produzieren, kann über NordLink Energie aus norwegischer Wasserkraft importiert werden.

In Norwegen werden sich positive volkswirtschaftliche Effekte vor allem aus dem Energieüberschuss aufgrund gestiegener Produktionskapazität ergeben. Dies gilt besonders für Zeiten, in denen der Zustrom in die Wasserreservoirs hoch ist. In Trockenzeiten in Norwegen werden die norwegischen Verbraucher profitieren, weil dann ausreichend Strom aus deutschen Wind- und Solarenergieüberschüssen importiert werden kann.

Ein erheblicher Teil der sozioökonomischen Vorteile von NordLink entsteht durch die Einnahmen aus der Zurverfügungstellung der Übertragungskapazität in den europäischen Day-ahead und Intradaymarkt. Diese Erträge werden entsprechend der regulatorischen und gesetzlichen Vorgaben unter anderem zur Finanzierung von Netzprojekten oder zur Senkung der Stromtarife verwendet.

Deutsch-norwegische Kooperation

Das NordLink-Projekt wird von einem Konsortium realisiert, an dem zu jeweils 50% der norwegische Übertragungsnetzbetreiber Statnett sowie die DC Nordseekabel GmbH & Co.KG beteiligt sind. An DC Nordseekabel halten TenneT und die KfW jeweils 50 Prozent der Geschäftsanteile. DC Nordseekabel verantwortet Bau und Genehmigungen auf deutscher Seite. Weitere Infos unter: www.nordlink.eu

Gleichstromautobahn

NordLink ist eine Gleichstromautobahn ohne Abfahrt, also eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung, zwischen den Drehstromnetzen in Deutschland und Norwegen. Aufgrund der Streckenlänge und der großen Übertragungsleistung wird zur verlustarmen Übertragung Gleichstrom verwendet. Die beiden Kabel (Plus- und Minuspol) sind mit den Konverterstationen an jedem Ende verbunden. Die Konverterstationen wurden in Wilster (Schleswig-Holstein) und Tonstad (Norwegen) errichtet. An diesen Standorten wird der Strom von Gleich- in Drehstrom (bzw. umgekehrt, je nach Übertragungsrichtung) umgewandelt und in das deutsche bzw. norwegische Drehstrom-Übertragungsnetz eingespeist, um Haushalte und Unternehmen mit grünem Strom zu versorgen.

Daten und Fakten

  • 623 km lange Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ)
  • 1.400 MW Kapazität mit ± 525 kV
  • Offshore: 516 km Seekabel
  • Onshore: 54 km Erdkabel (Büsum – Wilster/Schleswig-Holstein) sowie 53 km Freileitung (Vollesfjord – Tonstad/NO)
  • Netzverknüpfungspunkte: Umspannwerke Wilster West (DE) sowie Tonstad (NO)

Kontakt

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Philipp Kielbassa

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